086 Kärdla – Heltermaa (Hiiumaa)

Mein letzter Tag Hiiumaa. Ich laufe mit flottem Schritt in Richtung Heltermaa, von wo die Fähre zum Festland übersetzt. Die Landstraße führt geschickt an allen Orten und Sehenswürdigkeiten vorbei, so gehört es sich. Blöd nur, daß ich eben auch diese als meinen kürzesten Weg benutze. Wie immer nach einem Pausentag zwiebeln auf den ersten 3-4 km die Waden, bevor sie sich in ihr altes Schicksal fügen. Gut, daß es nur 26km sind, für mehr hätte ich keine Lust. Es soll auch einen Laden, und ein Cafe in Heltermaa geben. Wenn das so schön ist, wie das in Tiigri (Hafen von Leisi), dann wäre es gut. Mein Zimmer ist auch direkt am Hafen. Als ich eintreffe, stelle ich ernüchtert fest: Ja, es gibt den Hafen, der hat auch ein Bistrot, und das war es aber auch. Alles was der Ort bietet, ist in diesem Haus: Hafenverwaltung, Hotelzimmer, Bar – thats it.

 

Nichts sonst? Doch, es muß ja noch den Laden geben. Der entpuppt sich als Käsitöö. Klingt erstmal nach Essen, ist aber ein Handarbeit-Kunstgewerbe Laden. Er ist ausnehmend schön, hast aber keinen Café oder etwas, was man essen könnte. Doch: Holundersirup, naja etwas zu essen ist das jetzt auch nicht. Sie haben noch so eine Art völlig überteuertes handgemachtes Knäckebrot.

Ich treffe zwei Gesellen von den Pfadfindern, die sagen: Doch, es gibt hier noch ganz viel mehr – Natur. Damit haben Sie nicht unrecht. Und weil ich bis morgen Zeit habe, laufe ich ein Stück. Ich stelle nochmal die Beine in die Ostsee und sehe dem einsamen friedlichen Schwan und der auslaufenden Fähre hinterher. Beides ist hier sehr sehr klein.

Mich überkommt eine gewisse Melancholie bei diesem Abschied von der Insel. Wer weiß, ob ich nochmal so dicht ans Meer komme bei diesem Abenteuer. Ich lasse das auf mich wirken, denn ich hab ja Zeit.

Die Bar verströmt einen ähnlich tristen Charme wie damals die Bar Olga an der polnisch-russischen Grenze. Geschichte 027. Zwar ist sie Situation gänzlich anders, aber damals nahm ich Abschied von Polen, das fiel mir auch schwer.

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Die Bedienung hat – wie damals Olga – auch so gar keinen Bock und beantwortet fast alle Fragen mit No. Es hat auch seine Vorteile, aus dieser kulinarischen Einöde wegzukommen. Interessant: Ich bin schon an die drei Wochen in Estland und kann außer Snitsel, Kotilet und Seljanka praktisch nichts auf der Speisekarte lesen. Das allermeiste erschließt sich mir gar nicht. Deshalb komme ich auch so oft auf Pelmeni. Aber heute nicht, nicht schon wieder. Über eine negative Kausalkette hangele ich mich mit der Bedienung durch die Wandtafel und bekomme dann Heeringa. Das kenn ich doch, ist auch nicht vegetarisch, aber das könnte mein neues Standardgericht werden.

Ich inspiziere das Hotel genauer und stelle fest: es gibt auch eine Sauna und – Bingo – die ist elektrisch. Wenn die Dame am Empfang weg ist, schalte ich die vielleicht ein und geh dann da nachher noch rein. Dann hätte, sich das Ausharren in der Tristesse gelohnt. Ich gehe nochmal runter in die Bar und fühle mal vor wegen morgen Frühstück. Sie weiß erstmal von nix und läßt dann aber locker. Es gibt gottseidank nicht für jeden einen Wurstteller, sondern man kann am Buffet aussuchen. Ich kann mir das Buffet nicht vorstellen und frage noch, ob sie auch Marmelade dabei hat: No. War ja klar, daß einzige, worauf ich morgens Lust habe ist Marmelade. Ich habe das in all den Wochen nicht gerafft: Statt konsequent auf das Frühstück für 5€ zu verzichten, falle ich immer noch darauf herein. Es wird nur Sachen geben, die mir nicht schmecken: Blasser geschmackloser Käse, Wurst, Wurst, Wurst, blau gekochte kalte Eier, pappiges Brot und Kaffee, damit könnte man einen Zaun streichen. Na, wir werden sehen. Es ist und bleibt ein Abenteuer! Hier noch ein schönes  Bild von dem „alten Mann und der Ziege“ am Hafen von Heltermaa.

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Unterkunft Hotell Heltermaa:

http://www.heltermaahotell.ee

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