HuBuT Hunsrück – 66 km Ultratrail

Zwei Wochen – solange wie das im voraus möglich war, habe ich auf die Wetterapp gestarrt: Eingestellt auf Laubach / Hunsrück, dem Start und Ziel des HuBuT. Jetzt war es soweit: .19.8. Morgens 7 Uhr beim Start war die Stimmung schon gut und es war noch kühl.

Die Sonne blinzelte durch die Bäume während wir den Erläuterungen von Tanja lauschten, vereint versammelt unter dem Startbogen.

Die Stimmung stieg und das änderte sich auch nicht mehr. Wir trabten los und die Frage „Warum mache ich das?“ war wieder mal beantwortet: Es macht Spaß.

Eine tolle Strecke, sogar mit Kletterpassagen, mit aufs und abs wie ich sie aus meinem Wohnort kenne, aber mehr davon. Logisch, daß ich auch hier die meisten Fotos auf den ersten Kilometern mache, denn da bin ich noch frisch.

Und dann kam die Brücke: Als erstes hörte ich Geschwätz über mit, dann sah ich sie. Die Brücke ist der Grund, warum ich nicht nur die besser auf mich passenden 39 km mache sondern den Longtrail. Sie ist echt spektakulär und hebt einmal mehr meine Stimmung.

Nicht alle sind schwindelfrei, Gott sei Dank – ich hier schon. 100 m über dem Grund, zur Mitte hin schwankend, zieht sich Deutschlands schönste Hängebrücke 350 m über die Geierlay bei Mörsdorf.

Die km 20-30 sind die schönsten, ich bin noch frisch und laufe auch die Steigungen hoch.

Auch am 3. VP bei km 30 halte ich mich nicht lang auf. Und dann kommt die mir vom Marathon bekannte Durststrecke. Ich fange an, die Steigungen hoch zu wandern, trinke dauernd, die Wärme dringt mittlerweile auch durch die vom Sommer vertrockneten Bäume. Ich bin gedämft und demütig. Bis Mitte der vierziger km tut mir dann irgendwie der ganze Bewegungsapparat weh: Fußsohlen, Fußgelenke sind gestreßt von den vielen Steinen, Wurzeln, Stufen und schiefen Wegen. Die Waden wollen krampfen, die Oberschenkel brennen. Mir fehlt Salz. Ich habe erst am Tag vorher festgestellt, daß ich nur noch zwei Salzpillen habe. Die sind längst verbraucht, ich „leihe“ mir welche. Die Leute sind ausnahmslos super, die wissen wie es mir geht.

Die Hüfte schmerzt und ich warte auf km 47 – dem nächsten Verpflegungspunkt VP4. Da gibt’s was zu essen und wegen des Umschaltens des Körpers auf „Überleben“ lassen auch die Probleme des Bewegungsapparates nach. Ich trinke jetzt schon Cola, obwohl ich weiß, das sich das rächt (mit Völlegefühl – späterem Heißhunger und verstärkter Krampfneigung in den Waden). Aber ich kann nicht anders, ich brauche jede Menge Zucker, sonst komme ich nicht weiter.

Bei km 53 habe ich die Nachteile der Cola überwunden, aber ich brauchte für die 6km auch eine Stunde. An Laufen war da nicht zu denken, obwohl mein Körper jetzt nicht mehr schmerzte und es dem Bauch besser ging. Läufer um Läufer überholt mich. Meine Zeit ist mir schon längst egal aber ich will laufen! Lieber Laufen als Wandern. Die Strecke ist nicht mehr so profiliert und die bergab Passagen kann ich teils laufen. Schon denke ich wieder nur an den nächsten VP 5, dem letzten bei km 58 an der Peripherie von Kastellaun.

Übrigens: Die VPs waren super organisiert, kein Engpass, aufmunternde Worte und gute Stimmung. Das tat meiner etwas geknickten Psyche gut. Ich trinke wider besseren Wissens jede Menge Cola und setze mich 15 Min auf die Bank. Das ist viel zu lange, aber es geht nicht anders. Wenn man an 5 VPs je 10 min verbringt, sind das eben allein schon 50 min, logisch.

Ich mache so weiter: Viel wandern, etwas bergab laufen. Ich fühle mich wie der letzte Läufer, auf den noch gewartet wird. Dann – gehen Ende – kann ich die letzten drei Kilometer wieder laufen! Meine Stimmung hellt sich auf und ich laufe auf das stimmungsvolle Ziel zu. Na, das war dann doch versöhnlich.

Und falls es etwas zu bedeuten hat: Ich komme knapp unter 9 Stunden kurz nach 16 Uhr an. Bin damit nur Platz 74 von 122 männlichen Finishern. Aber das ist mir egal. Ich trage stolz meine Medaille aus echtem Schiefer.

Was bleibt?

Das Positive zuerst: Es ist ein geiler Lauf, gut organisiert, sprach mich emotional an, in einer fantastischen Landschaft mit tollen Läufern. Es gibt nichts schlechtes darüber zu berichten.

Wetter warm, viel Höhenmeter (für mein Un- vermögen zuviel: 1700) und mit wenig Möglichkeiten, sich in diesem Sommer mit langen Läufen vorzubereiten. Das waren meine eigenen Handicaps.

Ich habe für mich festgestellt: Ich bin kein Trailläufer, zumindest nicht auf der Langstrecke und schon gar nicht im Hochsommer! Aber: Ich würde ankommen, wenn man mich auf der einen Seite des Hunsrück losschicken würde mit Ziel auf der anderen Seite. Beides gute Erkenntnisse. Immerhin, schon vier Tage später und ich habe mich noch nicht für ein neues Abenteuer angemeldet!

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2 Gedanken zu “HuBuT Hunsrück – 66 km Ultratrail

  1. Hallo Guido, sehr anschaulich und verständlich geschrieben, dein „Durchleben des Laufes“ wunderbar dargestellt, und übrigens „Herzlichen Glückwunsch „

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